Verhärtete Fronten: Zweitägiger Warnstreik am UKT
Die Beschäftigten an den baden-württembergischen Universitätskliniken sind am Montag und Dienstag in einen zweitägigen Warnstreik getreten. Die Arbeitnehmer fordern 7,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 320 Euro mehr. Für die Arbeitgeber ist das zu viel. So verweist das Universitätsklinikum Tübingen auf das prognostizierte Jahresergebnis 2026. Da sei die Klinik 10 Millionen Euro im Minus. Die Forderung der Beschäftigten aber würde die Ausgaben um 40 Millionen Euro steigern. Die Fronten scheinen verhärtet.
Zwei Tage Warnstreik. Am Montag Kundgebung auf dem Platz vor dem Casino. Am Dienstag ein Demonstrationszug von den Kliniken zum Holzmarkt. Die Arbeitnehmer und die Gewerkschaft ver.di machen Druck auf die Arbeitgeber. Die dritte Verhandlungsrunde beginnt am Mittwoch. Das Angebot der Arbeitgeber ist aus Sicht der Beschäftigten noch Lichtjahre von ihren Vorstellungen entfernt. Besonders in der Kritik: Das Weihnachtsgeld soll zwar um sieben Prozent erhöht werden, aber nur, wenn pro Krankheitstag drei Zehntel davon gekürzt werden.
Gesundheits- und Krankenpflegerin Karoline Eberle: "Und zwar es ist einfach fahrlässig, vor allem in einem Krankenhaus, dass man seinen Mitarbeiter motiviert, krank zur Arbeit zu kommen [...] und dort werden dann die Patienten, vor allem unsere immunsupprimierten Patienten angesteckt. Und das kann auch lebensgefährlich sein. Von daher halte ich von dem Angebot absolut gar nichts."
Das UKT hält die Gewerkschaftsforderung für nicht erfüllbar, verweist auf die schwierige wirtschaftliche Lage sowie auf die finanziellen Auswirkungen der anstehenden Bundesgesetzgebung. Dabei fürchtet man, dass das Budget durch das GKV-Beitrags-Stabilisierungsgesetz um weitere zwanzig Millionen Euro schrumpft.
Krankenschwester Silke Rampp: "Und eigentlich sollten die auch gegen die GKV vorgehen, die sollten eigentlich mit uns Seite an Seite kämpfen und sagen: Liebe Leute, so geht das nicht. Wir müssen das irgendwie anders lösen. Aber so wie ihr Monopoly spielt mit den Kliniken, ist das einfach nicht machbar."
Durch den Warnstreik müssten Dutzende Operationen verschoben werden, kritisiert das UKT. In einer Pressemitteilung berichtete der Arbeitgeber unter anderem von einer Operation an einem fortgeschrittenen Lebertumor, der die Gallenwege verstopft. Auch diese an sich dringende Operation habe verschoben werden müssen. Dass das UKT den Warnstreik dafür verantwortlich macht, stößt auf Kritik.
"Wir machen ja extra eine Notdienstvereinbarung, weil unsere Patienten uns wichtig sind", sagt Karoline Eberle, "und wir verhandeln auch mit dem Arbeitgeber davor in einer OP-Besprechung, welche OPs zwingend notwendig sind, wie zum Beispiel diese Lebertransplantation, aber was war Tatsache? Wir haben davon nichts, nicht ein Wort erfahren."
Die Fronten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern scheinen verhärtet. Unter diesen Voraussetzungen scheint es schwierig, bei der Verhandlungsrunde ab Mittwoch zu einem Ergebnis zu kommen.