BWeins - Am Puls des Landes

Am Puls des Landes

Landtag in Stuttgart Plenarsitzung im Landtag Neues Schloss in Stuttgart Schlossplatz in Stuttgart

>> BWeins-Sendung in der Mediathek

Israel: Jäger & Sammler kultivierten Getreide schon vor 23.000 Jahren - Ohalo II : Erste landwirtschaftliche Tätigkeiten schon 11.000 Jahre früher

Jäger und Sammler haben am See von Genzareth bereits vor 23.000 Jahren Getreide kultiviert. Der Beginn der Landwirtschaft läge demnach 11.000 Jahre früher, als von der Wissenschaft bisher angenommen. Neben Getreidearten wie Weizen, Gerste, Emmer und Hafer fanden die Forscher auch 13 "Proto-Unkräuter", Vorläufer heutiger Unkraut-Sorten. Der Fund gebe deswegen auch einen wichtigen Einblick in die gemeinsame Evolution von Getreide und Unkräutern.

Die Wissenschaft ist bisher davon ausgegangen, dass die Landwirtschaft in der Jungsteinzeit, vor etwa 12.000 Jahren entstanden ist. Der Umbruch von Jäger- und Sammergesellschaften hin zur bäuerlichen Landwirtschaft wird als "neolithische Revolution" bezeichnet. Neuere Studien der letzten Jahre weisen allerdings darauf hin, dass Jäger- und Sammlergesellschaften mehrere Jahrtausende parallel zu bäuerlichen Gesellschaften existiert haben. Die Entdeckungen von Ehud Weiss, der an der israelischen  Bar Ilan Universität in Ramat-Ganin forscht, zeigen nun: Erste Versuche  von Landwirtschaft in kleinem Rahmen wurden schon Jahrtausende vor der neolithischen Revolution unternommen wurden - von Jägern und Sammlern.

Das Jäger- und Sammlercamp "Ohalo II" wurde 1989 in Israel am Ufer des Sees Genezareth entdeckt, als der Wasserspiegel des Sees dramatisch zurückgegangen war. Außer "Ohalo" II" wurden rund um den See Genezareth auch mehrere Häfen aus antiker Zeit entdeckt. Während die Häfen meist auf die griechisch-römische Zeit um Jesu vor 2.000 Jahren datiert werden konnten, handelt es sich bei der Fundstätte "Ohalo II"  um ein rund 23.000 Jahre altes Lager, das von Jägern & Sammlern bewohnt war.

Das Sammler- und Jägercamp Ohalo II. wurde offenbar kurz nachdem es verlassen wurde, vom steigenden Wasserspiegel dess Sees Genezareth überflutet und anschließend von Sedimenten bedeckt. Aus diesem Grund sind die organischen Reste, welche seine Bewohner hinterlassen hatten, trotz des hohen Alters von 23.000 Jahren ausgezeichnet erhalten. Die Fundstelle erstreckt sich über rund 1500 Quadratmeter groß. Bis 1994 wurden davon rund 325 Quadratmeter ausgegraben.

Die Jäger & Sammler hatten in ihrer Siedlung ovale Hütten errichtet, deren Boden mit Gras bedeckt war. Bei den Ausgrabungen zeichneten sich die Hütten als dünkle Bodenverfärbungen ab. Außerhalb der Hütten konnten Feuerstellen lokalisiert und die Bearbeitung von Feuerstein nachgewiesen werden. In der Siedlung wurde eine Vielzahl von pflanzlichen Resten gefunden, so Nüsse, Eicheln. Außerdem Unkräuter und - Wildgetreide.

Die jetzt veröffentlichte Untersuchung setzt an der Analyse der gefundenen Unkräuter und des Wildgetreides an:

"Unkräuter", schreiben die Wissenschaftler um Ehud Weiss in  ihrer Veröffentlichung in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift  PLOS One, "sind derzeit in einer großen Bandbreite an Ökosystemen weltweit präsent."

Obwohl der Beginn ihrer Evolution größtenteils unbekannt sei, hätten Forscher bisland angenommen, dass sich die Unkräuter seit dem Aufkommen von landwirtschaftlichen Flächen vor 12.000 Jahren im Tandem mit der Kultivierung von Nutzpflanzen entwickelt hätten. Unkräuter, die eine schnelle Evolutionsgschwindigkeit haben, drangen in die vom Menschen durch Landwirtschaft gestörten Regionen vor und siedelten dann in die neuen Habitate ein.

In der 23.000 Jahre alten  Siedlung von Jägern und Sammlern, Ohalo II am See von Genezareth in Israel, konnten Wissenschaftler nun die Präsenz von "Proto-Unkräutern" und von landwirtschaftlicher Kultivierung in kleinem Umfang nachweisen.

Die Forscher untersuchten ca. 150.000 pflanzliche Überreste, die sie dort gefunden hatten. Von den Forschern wurden dabei 13 auch heute gut bekannte Unkräuter nachgewiesen, die mit  verschiedenen Körnern von wildem Emmer, Gerste (Barley) und Hafer (Oat) vermischt waren. Dieser Fund stellt den ersten Nachweis einer vom Menschen gestörten Umgebung dar, schreiben die Forscher.

Das archäobotanisch reiche Pflanzen-Ensemble zeige das extensive Sammeln (gathering) von über 140 Pflanzenarten. Außerdem sei auch die Zubereitung von Nahrungsmitteln nachweisbar: Wilder Weizen (Wheat) und Gerste seien gemahlen worden.

Diese Sammlung belegt den frühesten Nachweis einer durch den Menschen gestörten Umgebung - mindestens 11.000 Jahre vor dem Beginn der Landwirtschaft. Diese durch den Menschen gestörte Umgebung habe die Bedingungen für die Entwicklung der Proto-Unkräuter geschaffen. Dies war den Forschern zufolge wiederum die Voraussetzung für die Evolution des Weizens. Die Forscher schlagen ausserdem vort, dass die archäologische Fundlage auf die früheste, in kleinem Umfang betriebene Kultivierung von wildem Getreide schließen lässt.

 

Original-Publikation:

The Origin of Cultivation and Proto-Weeds, Long Before Neolithic Farming. Autoren: Ainit Snir,Dani Nadel,Iris Groman-Yaroslavski,Yoel Melamed,Marcelo Sternberg,Ofer Bar-Yosef,Ehud Weiss. Veröffentlicht: July 22, 2015DOI: 10.1371/journal.pone.0131422


Nachrichten aus Bundesland und Landeshauptstadt

Foto: RTF.1
HipHop trifft Klassik - Ein Blick hinter die Kulissen des TALK-Projekts Am 2. Juli werden die jungen Künstlerinnen und Künstler des Reutlinger TALK-Projekts erneut auf der Open-Air Bühne des echaz.hafen zu sehen sein.
Foto: RTF.1
10. Biosphärenwoche startet am 21. Mai Am Samstag, 21. Mai, startet die 10. Biosphärenwoche.
Foto: Pressebild Chris Kühn
Bundestagsabgeordneter Kühn begrüßt Corona-Pflegebonus Der Tübinger Bundestagsabgeordnete der Grünen, Christian Kühn, begrüßt den am Donnerstagabend vom Bundestag beschlossenen Corona-Pflegebonus.

Werbung:

Weitere Meldungen