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Kapova-Höhle / Ural

Foto: pixabay.de
Fernreisen schon vor 14.500 Jahren? Höhlenmalerei mit Kamel im Ural: Reisten die Höhlenmaler der Steinzeit über weite Strecken?

Haben Menschen schon vor 14.500 Jahren oder früher weite Strecken überwunden? Und gelangten so Kamel-Motive in den Ural? Ab wann wurden Kamele als Reit- und Lasttiere für (Fern-)Reisen genutzt? Eine mindestens 14.500 Jahre alten Höhlenmalerei, die ein zweihöckriges Kamel zeigt, gibt Rätsel auf. Der Fundort: Die Kapova-Höhle im Süd-Ural. Was bedeutet diese Entdeckung für die Kunst und das Reisen in der Jungsteinzeit?

Die Höhlenmalerei mit dem Kamel konnte dabei auf ein Alter von zwischen 14.500 Jahren und 37.700 Jahren vor unserer Zeit datiert werden: So alt sind nämlich die Kalkschichten an der Höhlenwand, die sich über sowie unter der Zeichnung befanden.Die Schichten aus Kalzit-Sinter wurden mit der Uran-Thorium-Analyse datiert.

Das Innere des Kamels wurde einer Pressemitteilung der Moskauer Staatsuniversität Lomonosov zufolge mit rotem Ocker ausgemalt. Anschließend wurden die Umrisse des Tieres teilweise mit Holzkohle nachgezogen.

Der Restaurierungs-Experte Eudald Guillamet aus Andorra war von Professor Vladislav Zhitenev vom Statlichen Büro zum Schutz des Kultur-Erbes von Bashkiria eingeladen worden: Um die Wände der Kapova-Höhle von moderner Graffiti zu säubern. Unter der Graffiti trat dann die einzigartige Kamel-Zeichnung zutage.

Die jetzt aufgefundene Kamel-Zeichnung passt zu der Zeichnung eines Kamels, die bereits 1980 in der Ignatievskaya-Höhle in Russland entdeckt wurde. In die Altsteinzeit sollen auch Kamelbilder in der Hoid Tsengher-Höhle in der Mongolei datieren. Im Ural selbst kam das zweihöckrige Kamel - nach heutigem Kenntnisstand - während der Jungsteinzeit nicht vor.

Die Tatsache, dass schon vor 16.500 bis 37.500 Jahren  für die damaligen Menschen Fernreisen über weite Strecken möglich waren und offenbar auch praktiziert wurden, werfe ein neues Licht auch auf die Ausbreitung der Höhlenmalerei und der gemalten Motive. Den Wissenschaftlern zufolge müssen nun die bisherigen Theorien neu überdacht werden. Die Möglichkeit von Fernreisen schon in dieser Zeit erhärte zudem die Theorie, dass sie die Kamel-Höhlenmalkunst entlang einer Achse verbreitet haben könnte, die vom Kaspischen Meer zur Wolga reicht. Über diese Strecke hätten einem früheren Zeitraum auch bereits Muscheln vom Kaspischen Meer ihren Weg in diese Richtung gefunden.

Das Kamel-Motiv - und analog auch andere Motive der Höhlenmalereien könnte sich über den Kontinent hinweg durch Fernreisen verbreitet haben..So könnte ein reisender Höhlenmaler die weite Fernreise in den Süd-Ural unternommen haben, und das Motiv in seinem erlernten Mal-Repertoire mitgebracht und vor Ort auf der Höhlenwand aufgebracht haben.

Ergänzend wäre nach Aufffassung unserer Wissenschaftsredaktion daran zu denken, dass das Kamel-Motiv in Form einer mitgeführten Abbildung verbreitet worden sein könnte und von lokalen Höhlenmalern aufgegriffen wurde. Wenn es aber fernreisende Höhlenmaler waren: War das ein episodischer Vorfall, oder bereisten Höhlenmaler gezielt - und möglicherweise eingebunden in eine kulturelle oder religiöse Tradierung - die verschiedenen "Malhöhlen" über den Kontinent hinweg, um dort zu malen?

Oder gelangten - gelegentlich oder häufig - einzelne Reisende auf oder mit Kamelen (?) auf Handelsreisen vom Kaspischen Meer bis hinauf in den Ural? Oder waren zu dieser Zeit schon Kamelkarawanen auf den Fernstrecken unterwegs? Der einhöckrige arabische Vetter, das Dromedar, soll allerdings erst vor rund 3.000 Jahren domestiziert worden sein. Und: War es dann doch ein lokaler Höhlenkünstler, der das exotische Motiv in seiner Höhlenmalerei festgehalten hat? 

Die beteiligten Wissenschaftler sind vom Gegenteil überzeugt: In der Jungsteinzeit waren demnach reisende Höhlenmaler über weite Strecken "von Höhlenheiligtum zu Höhlenheiligtum" unterwegs, um ihre Motive an die Höhlenwände zu malen. Waren es Wanderpriester?  Wanderkünstler?

Meist waren die Motive der jungsteinzeitlichen Höhlenmalerei der eiszeitlichen Fauna, also Tierwelt, entnommen: Pferde, Bisons, Mammut, Wollnashörner. Diese Motive sollen sich aus dem Raum "Franco-Cantabria" bis in den Ural hinein verbreitet haben.

Dass aber im Ural neben diesen eiszeitlichen Motiven auch die lokale Fauna (Tierwelt) an den Höhlenwänden abgebildet werde, spreche dafür, dass es in dieser Region eine lange Entwicklung und eine lange Tradtion in der Höhlenmalerei gebe.

Im Dezember, wenn der Höhlenboden trockener ist, sollen die Felsbilder der Kapova-Höhle weiter untersucht werden. Es gäbe noch manche Höhlenmalereien freizulegen.

Erstveröffentlichung dieses Artikels: 30.11.2017 - 04:24 / Stand: 30.11.2017 - 05:39


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