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Reutlingen

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So war der Christopher Street Day in Reutlingen

„Gemeinsam stark! Nie wieder still!“ Das war das Motto des Christopher Street Day, kurz CSD am Wochenende in Reutlingen. Queere Menschen, also Homo-, Bi- und Transsexuelle sowie Menschen, die sich weder als Mann, noch als Frau identifizieren, sogenannte Nichtbinäre, demonstrierten für Vielfalt, Akzeptanz und gleiche Rechte. Es war der insgesamt dritte CSD in Reutlingen.

Samstag-Nachmittag am Regionalen Omnibusbahnhof: Zahlreiche queere Menschen aus Reutlingen und Umgebung versammelten sich, um gemeinsam gegen Diskriminierung und für Gleichbehandlung auf die Straße zu gehen. Anders als bei anderen Christopher Street Days fuhren hier keine Wagen mit. Dafür war es aber ein bunter, vielfältiger Demonstrationszug, der sich durch die Reutlinger Innenstadt schlängelte. 

Und während es in Pforzheim oder im vergangenen Jahr auch in Albstadt Gegendemonstrationen gegeben hatte, blieb der Reutlinger CSD frei von Störungen von rechts. Die Demonstration verlief friedlich und ohne besondere Vorkommnisse. 

Der Zug fand sein Ende im Reutlinger Bürgerpark, wo die Teilnehmer eine Kundgebung erwartete. Wer schweige, wenn queere Menschen angegriffen würden, stelle sich auf die Seite der Täter, sagte eine Rednerin. Und Maximilian Berg vom CSD-Verein sagte: "Wir sind kein Trend. Wir sind keine Ideologie. Wir sind Menschen."

Auch Oberbürgermeister Thomas Keck meldete sich zu Wort. Schweigen sei keine Option, sagte er. Es gebe einen Anstieg von Queerfeindlichkeit zunehmender Gewalt. "Ich glaube, es ist immer noch offen, aber es wird härter. Es gibt Tendenzen, queere Menschen auszugrenzen. Und deshalb ist es wichtig, an so einem Tag dann auch Flagge zu zeigen, und das tun wir ja auch. Und ich habe wie jedes Jahr an diesem Tag die Regenbogenflagge vor dem Rathaus hissen lassen", so Keck.

Die politische Entwicklung in Deutschland generell beobachtet Oberbürgermeister Thomas Keck mit Sorge – vor allem, wenn es um Toleranz geht. "Freiheit und die offene Gesellschaft ist an vielen Stellen unter Druck, und deshalb ist es so wichtig, dass man aufsteht und dass man nicht still ist und für die Demokratie in die Bütt geht", sagte Keck. "Und zwar anders, als es manche andere tun, die hier samstags Demos machen – angeblich für Demokratie. Sie wissen, was ich meine."

Es sei ein Menschenrecht, queer zu sein, sagte der erste Vorstand des CSD-Vereins Maximilian Berg. Anfeindungen habe er am Samstag nicht erlebt. Ob Reutlingen aber toleranter sei als andere Städte, wisse er aber nicht. "Es ist schwierig zu sagen, weil ich habe das Gefühl, mittlerweile gibt es nur noch „die Rechten" und „die Linken" – in Anführungszeichen. Und dieser Spagat wird immer weiter, was total schwierig ist und total schade, weil schlussendlich geht es hier um Menschenrechte. Aber die Strukturen, die wir erleben, die sind total dankbar, dass es in Reutlingen queere Stimmen gibt – sei es Time out, sei es wir als CSD Verein mit unseren Treffen."

Einmal im Quartal finden die CSD-Treffen statt. Dort kommen regelmäßig queere Menschen, um zusammen einen schönen Abend zu verbringen, aber auch, um von ihren Diskriminierungserfahrungen zu berichten.


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