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Baisingen

Foto: RTF.1
Sonderausstellung: "Vernetzungen: Von Baisingen in die Welt"

Das 19. Jahrhundert war für die Juden in Deutschland mit großen Veränderungen verbunden. Mit dem „Edikt betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der Juden“, das König Friedrich Wilhelm III. Im Jahre 1812 erlassen hat, wurden sie mobiler und stiegen sozial auf. Diese Veränderungen waren auch im Rottenburger Stadtteil Baisingen zu sehen. Dokumente, die das Stadtarchiv nun verzeichnet hat, geben Einblick in das Leben der jüdischen Bevölkerung in Baisingen. Sie sind derzeit im Rahmen der Sonderausstellung „Vernetzungen: Von Baisingen in die Welt. Jüdische Baisingerinnen und Baisinger im Spiegel ihrer Inventuren“ in der Gedenkstätte Synagoge zu sehen.

Ein Dokument, das derzeit in der Gedenkstätte Synagoge ausgestellt ist, listet die Erben von Fanny Hechinger auf, einer Jüdin aus dem Rottenburger Stadtteil Baisingen, die 1868 starb. Das Dokument ist Teil der Inventuren und Teilungen, die das Stadtarchiv Rottenburg 2020 verzeichnet hat. Inventuren und Teilungen sind Dokumente, die bei Heirat und Tod sämtliche Vermögenswerte dokumentieren, erkärt Leila Sayer-Degen. "Also vom Taschentuch bis zum Haus und Grundbesitz." Aber nicht nur das Eigentum wird erfasst, sondern auch die erbberechtigte Verwandtschaft.

Und von der Verwandtschaft gibt es dann nicht nur die Namen, sondern auch die Orte, an denen sie lebten – und somit gibt das Dokument Hinweise auf die Verflechtungen der Baisinger Juden. Und diese Verbindungen zeigt die Sonderausstellung „Vernetzungen: Von Baisingen in die Welt", die anlässlich dieser Erfassung und im Rahmen des Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" stattfindet. Das Banner, das dort zu sehen ist, veranschaulicht, wie die jüdischen Baisinger im Vergleich zu den christlichen Baisingern vernetzt waren. Daran ist erkennbar, dass es bei den christlichen Baisingern eine räumliche Verteilung in den Südwesten und in kleine Orte in Deutschland gab, erklärt Sayer-Degen. Die Verflechtungen der jüdischen Baisinger sind in Zentren zu sehen, z.B. Lyon, Paris, Zürich, Frankfurt am Main.

Die Dokumente geben auch einen Einblick, wie das jüdische Leben vor Ort war. Das 19. Jahrhundert war nämlich geprägt von Veränderungen für die jüdische Bevölkerung in Deutschland. Sie erhielten die bürgerliche Gleichberechtigung: diese erlaubte es ihnen, andere Berufe zu erlernen. Außerdem durften sie Grundbesitz erwerben, deshalb setzte eine höhere Mobilität ein. Das veränderte die Sozialstrukturen an Orten, auch in Baisingen, wo die Zahl der jüdischen Familien im 19. Jahrhundert anstieg. Mit der bürgerlichen Verbesserung haben sie Grundbesitz erworben und Häuser gebaut, auch hier in der Kaiserstraße, die bis heute das Dorfbild prägen.

Für all diese Veränderungen sind die Inventuren und Teilungen wichtige Quellen. Wer tiefer in die Geschichte der Baisinger Juden eintauchen möchte, kann dies in der Gedenkstätte Synagoge tun. Die Sonderausstellung gibt es noch bis zum 27. März 2022 zu sehen.


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