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Rottenburg

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Lieblich oder erschreckend - Ausstellung zeigt die Wandlung der Engel über die Jahrhunderte

Engel waren nicht immer die schönen und gutmütigen geflügelten Wesen, die Gottes Botschaft verkündet haben. Manch einer war sogar bewaffnet mit einem Schwert und hat die Menschen bestraft. Wie sich das Bild des Engels über die Jahrhunderte gewandelt hat, zeigt das Diözesanmuseum in Rottenburg bei seiner Ausstellung "Engelwelten".

Ob als Schutzengel, als Zierde für den Weihnachtsbaum, oder als Ohrringe und Kettenanhänger – Engel sind in der heutigen Zeit allgegenwärtig. Doch dieses heutige Bild entspricht laut der Leiterin des Diözesanmuseum in Rottenburg, Dr. Melanie Prange, längst nicht mehr seiner ursprünglichen Funktion. Sie hätten eine ganz gewichtige Aufgabe gehabt. Sie seien Mittler zwischen Gott und den Menschen gewesen. Und man spreche zum Beispiel in Zusammenhang mit den Engeln auch oft von „der Gottesschau". Da werde ganz klar, dass das relevante Gestalten seien, die durchaus auch erschrecken könnten. Sie hätten auch ein erschreckendes Auftreten teilweise.

Das heutige Engelbild hat sich aus den Götterboten der alten Ägypter und des Orients entwickelt. Denn auch damals gab es Mittler zwischen den Göttern und Menschen. Bis dahin war es aber ein langer Prozess. Der erste Schritt habe sich in der Renaissance vollzogen. "Durch die Rezeption von Darstellungen eines kleinen Eros-Knaben oder einer Amorette, die zum Beispiel in der römischen Antike vorkam, dann in die christliche Kunst, da hat sich das Engelbild im Prinzip gewandelt. Nun wurden aus diesen Männern, diesen durchaus kämpferischen Männern, diese kleinen lieblichen Engel, die ja die Barockkirchen auch vielfach bevölkern."

Der zweite Schritt vollzog sich durch die Ablösung der Kunstgeschichte von der Kirche zum Ende des 19., Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Künstler laut Melanie Prange nicht mehr von der Kirche abhängig waren. So habe sich ein sehr individuelles Engelbild entwickelt. Teilweise hätten sich die Künstler selbst als Engel dargestellt, als Mittler zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt. Und dadurch habe die Kirche letztendlich die Verfügungsgewalt über die Engel so ein bisschen verloren.

Wie kam der Engel nun aber an seine Flügel? Hier spiele die geflügelte Siegesgöttin Nike eine wichtige Rolle, von der das Museum einen Abguss im Foyer zeigt. "Da haben wir eine schöne Gegenüberstellung von traditionellen Nike-Darstellungen und christlichen Engeln. Da kann man ganz klar die Parallelen sehen. Und so wird auch der Engel übrigens weiblich, durch solche Bildtraditionen, die man dann übernommen hat."

Viele der Exponate sind hochwertige Leihgaben des Bibel- und Orientmuseums aus Freiburg in der Schweiz. Zu sehen ist die Ausstellung im Diözesanmuseum Rottenburg bis Mitte März.


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