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Reutlingen

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Zeit zum Handeln: Robert Habeck über die fragmentierte Gesellschaft und das Dilemma der Politik

In diesen Zeiten kann man nicht nicht politisch sein. Das ist eine These des stellvertretenden Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein Robert Habeck. Der Buchautor und Grünen-Politiker liefert eine Erklärung für die derzeitige politische Lage in Deutschland. Die Erfahrungen und Lebensmodelle der einzelnen Menschen werden immer unterschiedlicher. Deshalb tut sich die Politik immer schwerer, Antworten für die Gesellschaft als ganzes zu finden. Dabei werden die Probleme immer dringender. Allen voran der Klimawandel.

Wahlkampftermin im Spitalhof in Reutlingen. Robert Habeck unterstützt hier den Wahlkampf von Beate Müller-Gemmecke. Die Grünen, so sagt sie, stünden für eine Politik, die ökologisch, sozial und weltoffen sei. Ökologie, Ökonomie und Soziales würde zusammen betrachtet.  "Wir Grünen stehen für eine freie, vielfältige, tolerante Gesellschaft, in der die Menschen selber entscheiden können, wie sie leben wollen und zwar gleichberechtigt mit gleichen Rechten ", sagte Müller-Gemmeke.
 
Aber die Lebensentwürfe, so Robert Habeck, seien heute so unterschiedlich wie nie zuvor. Die Zeit, in der die Gesellschaft einen gemeinsamen Erfahrungsschatz gesammelt hätte, sei vorbei. In Familie und Beruf, aber auch im Medienkonsum würden die Menschen immer unterschiedlicher.  "Und Politik, wie wir sie kennen und in der wir groß geworden sind, ist immer Verallgemeinerung", sagte Habeck. "In einem gewissen Sinne, und das ist der Sinn von Politik, für alle da zu sein, Gesetze gelten für alle, in einem gewissen Sinne abstrahiert Politik und sagt: Wir machen für eine Mehrheitsgesellschaft die richtige Antwort. "
 
Aber was ist die richtige Antwort für die Mehrheitsgesellschaft? Unterschiedliche Lebensläufe wecken auch unterschiedliche Erwartungen an die Politik. Der einzelne werde von der Politik nicht mehr angesprochen, weil die Erfahrungen zu unterschiedlich seien.  "Und das ist meine Haupterklärung für diesen Wahlkampf für diese komische, mäandrierende Stimmung keine Sprache findet, keine Übersetzung, die die Probleme der Menschen in Solidarität bündelt.", so Habeck.
 
Die Folge: Eine Gesellschaft werde unpolitisch, und das sei ein Problem. Denn sie gerate entweder in Leerlauf, oder sie wiederhole ständig die Antworten der Vergangenheit. Diese aber passten nicht auf die Herausforderungen der Zukunft. Die Zukunft Europas, das Flüchtlingsproblem im Mittelmeer und vor allem der Klimawandel – jetzt schon sichtbar an katastrophalen Wetterereignissen in aller Welt.
 " lle Wetterdaten sagen, dass diese Szenarien in Geschwindigkeiten zunehmen. Und wir streiten darüber, ob man in Cafés in Berlin Englisch sprechen soll oder nicht Englisch sprechen soll", so Habeck.
 
Dass es allerhöchste Zeit sei zum Handeln, zeigten Hochrechnungen, wonach im Jahr zweitausend-dreißig nur wegen der Klimawandels hundert Millionen Menschen auf der Flucht sein würden – politische Flüchtlinge noch nicht mitgerechnet.


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