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Tübingen / Oberer Neckar

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Volkszählung für Fische

Wie viele Fische sind eigentlich im Neckar? Und welche Arten sind hier vertreten? Das soll jetzt eine Volkszählung für Fische klären. Es ist die erste ihrer Art am Oberen Neckar zwischen der Quelle bei Villingen-Schwenningen und der Mündung der Lauter in Wendlingen. Die Federführung liegt beim Regierungspräsidium Tübingen. Das Ergebnis der Fischzählung will das Regierungspräsidium in den kommenden Jahren dazu nutzen, Fischwanderungen durch Renaturierung zu unterstützen. Diese Woche war die Kick-Off-Veranstaltung im Regierungspräsidium.

Der Obere Neckar. An vielen Orten bis heute immer noch ein Idyll. Doch Städte, Straßen und Infrastruktureinrichtungen zwängen den Fluss immer wieder in ein Korsett. Flussbegradigung lag zeitweise im Trend. Heutzutage versucht man es eher umgekehrt mit Renaturierung.
 
Darauf wies auch Lothar Heissel hin, im Regierungspräsidium Tübingen Referatsleiter für die Gewässer erster Ordnung.  "Da müssen wir heute noch von dem leben, was man vielleicht unter anderen Zielvorgaben vor 30, 40 Jahren gemacht hat in Richtung Begradigung, in Richtung Einschnürung der Gewässer, da sind wir dran, das Schritt für Schritt zurückzubauen bzw. ökologisch zu entwickeln", sagte Heissel.
 
Da eine flächendeckende Renaturierung nicht möglich ist, sollen sogenannte Trittsteine dafür sorgen, dass sich Fische im Fluss wohlfühlen und vermehren. Ein Punkt beispielsweise ist die Durchlässigkeit. 
 
Elf Kraftwerke gibt es zwischen der Quelle und Wendlingen. Die Durchgängigkeit nach oben ist nur bei Oferdingen gestört, die Durchgängigkeit nach unten dagegen bei sieben Anlagen. Doch was darüber hinaus alles genau gebraucht wird, das kann nur eine Volkszählung für Fische klären. Denn es gilt:
"Wir können nur das Haus bauen, wir können die hydromorphologischen Randbedingungen schaffen. Ob dann das, was wir hier bauen, geeignet ist, dass die Kunden oder die Zielgruppe Fische einziehen, das wird sich dann zeigen", so Heissel.
 
Das HYDRA-Institut für angewandte Hydrobiologie in Konstanz wird die Fische im Neckar an ausgewählten Stellen zählen. Das soll vorrangig durch Elektrofischen geschehen. Dabei werden die Fische nicht getötet sondern nach dem Messen und Erfassen wieder freigelassen. Allerdings geht das nicht überall.  An manchen Stellen müssen Netze ausgelegt werden. Die darin gefangenen Tiere sind schwer geschädigt und nicht mehr dauerhaft lebensfähig. Sie werden daher getötet.
 
Daneben sollen aber auch historische Quellen und Daten von Fischereivereinen herangezogen werden. Zwei Jahre lang sind die Fischer des HYDRA-Instituts am Neckar unterwegs. Im Frühjahr zweitausend-neunzehn soll dann der Abschlussbericht fertig sein.


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